TV-Tipps des Tages
19.07.2011 – China, Türkei, Armenien, Völkermord, Islam, Göreme
TV-Tipps des Tages sind: Chinas Grenzen - Abenteuer vom Ussuri bis zum Hindukusch; Schätze der Welt - Göreme (Türkei) Felsenstadt der frühen Christen; Aghet - ein Völkermord; Die Grenze der Versöhnung - Das Kreuz der Armenier mit der Türkei; Gesichter des Islam
Von Ümit Küçük Dienstag, 19.07.2011, 8:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Samstag, 16.07.2011, 22:50 Uhr Lesedauer: 7 Minuten |
Chinas Grenzen – Abenteuer vom Ussuri bis zum Hindukusch
2/2, Wüsten, Pässe, wilde Reiter – Sechs Monate lang ist Ostasien-Korrespondent Johannes Hano durch Chinas entlegenste Grenzprovinzen gereist.
20.000 Kilometer hat er mit seinem Team dabei zurückgelegt, auf Landstraßen, Feldwegen, Sand- und Geröllpisten, und war an Orten, die noch nie ein Ausländer gesehen hat.
Johannes Hano spricht mit Uiguren und Kirgisen, feiert Hochzeit mit Tadschiken, übernachtet bei Nomaden in der Inneren Mongolei und fragt sich schließlich, wie dieses Riesenreich mit seiner landschaftlichen, kulturellen und ethnischen Vielfältigkeit auf Dauer zusammenhalten soll.
„Das hat doch mit China alles gar nichts mehr zu tun hier“, ist der erste Eindruck des Teams. Verschleierte Frauen, manche mit Burka, bärtige Männer, die Wasserpfeife rauchen, orientalische Basare, Kebab statt Reis mit Gemüse. In der Provinz Xinjiang, ganz im Westen Chinas, liegt der Duft des Orients in der Luft. Die Provinz Kashgar war lange für Journalisten gesperrt, besonders seit den blutigen Unruhen 2009.
Weiter geht es in den Hindukusch und zum höchsten Grenzübergang der Welt. Dort im Westen spürt das Team die Spannung, unter der das chinesische Imperium steht. Ohne staatliche Aufpasser dürfen sie sich entlang der Grenzen nicht bewegen.
Von Xinjiang geht es weiter in die Innere Mongolei, wo sich über Hunderte von Kilometern ein Gebirge aus Sand erstreckt. Dort befindet sich die höchste Düne der Welt, kleine Salzseen funkeln wie Diamanten im Sand.
Im Grasland der Inneren Mongolei lebt Maxim. Er ist halb Chinese, halb Russe. Seine Großeltern wohnten in den 1950er Jahren noch in Erdlöchern, er selbst hat gerade mitten im Nichts ein nagelneues Hotel eröffnet. In Zukunft hofft Maxim auf wohlhabende Touristen aus Peking und Schanghai. Wie viele junge Chinesen möchte er Teil von Chinas Modernisierungsprozess sein. (09:45-10:30 • PHOENIX)
Schätze der Welt – Erbe der Menschheit
Dokumentation – Göreme (Türkei) Felsenstadt der frühen Christen
Als der spanische Schriftsteller Juan Goytisolo durch die Täler von Göreme in der Türkei wanderte, war er sicher: der Architekt Gaudí muss hier gewesen sein und das alles gebaut haben!
Tausende von Kegeln, Pilzen, Kaminen, Türmchen und steinernen Ornamenten, hinter jedem Felsvorsprung tauchen neue Formen auf.
Der Canyon im türkischen Hochland ist eine märchenhafte Vulkanlandschaft, in der Wind, Wasser und Kälte die Baumeister waren. Unterschiedlich hartes Tuffgestein der verschiedenen Lawaströme vor mehreren Millionen Jahren ließen Hütchen und Dächer auf den weicheren Kegeln darunter zurück, die sich wunderbar aushöhlen ließen. Das nutzten die ersten Mönche und Nonnen Vorderasiens, die sich im vierten Jahrhundert unter der Anleitung von Bischof Basileios von Kayserei in die bizarren Formationen der Täler Kappadokiens zurückgezogen hatten. Eine unglaubliche Bautätigkeit begann, in das Tuffgestein hinein: Felsenklöster, Kirchen, Zellen, Kapellen über der Erde und ganze Städte unter der Erde von weltweit unvergleichlichem Ausmaß.
Die ersten Christengemeinschaften fanden in den Tälern bei Göreme andächtige Stille für ihr bescheidenes und autarkes Leben und Schutz vor den damals zahlreichen Feinden, seien es Perser, Römer oder Araber. Und sie verstanden, ihre Kirchen und Kapellen zu schmücken! Heute findet der Besucher in jedem Tal des Nationalparks von Göreme kostbare Schätze byzantinischer Kultur. Die nahezu vollständig erhaltenen oder restaurierten Ikonographien aus dem 7.-11. Jahrhundert können sich mit der Kunst der byzantinischen Zentren messen – nur dass die Natur in Kappadokien ein unvergleichliches Erlebnis daraus macht: eine Reise in eine andere Welt. (10:30-10:45 • BR-alpha)
Aghet – ein Völkermord
Dokumentarfilm (Kultur – Krieg, Konflikt, Unruhen) – Monothema – Doku-Drama von Eric Friedler, Deutschland 2009/2010
Zwischen 1915 und 1918 kamen beim Genozid an den Armeniern bis zu 1,5 Millionen Menschen im Osmanischen Reich, der heutigen Türkei, ums Leben. Dieser erste Völkermord des 20. Jahrhunderts, der neben der Shoah 1948 zur Schöpfung der Anti-Genozid-Konvention der UN führte, wird bis heute von den Verantwortlichen und ihren Nachkommen geleugnet und von der Welt weitgehend verdrängt. Eric Friedler hat sich jahrelang mit den politischen Motiven, die noch heute stark genug sind, um die historische Tatsache des Armenier-Genozids zu verschweigen und zu unterdrücken, beschäftigt. Er sprach mit internationalen Regierungschefs und der intellektuellen Elite der Türkei, befragte Historiker, Zeitzeugen und Wissenschaftler in der Türkei, Deutschland, USA, Frankreich, Syrien und Armenien, sowie Vertreter der weltweiten armenischen Diaspora. Er forschte in internationalen Archiven und rekonstruierte den Verlauf des Völkermords aus zahlreichen historischen Quellen. Es sind detaillierte Lageberichte deutscher und US-amerikanischer Diplomaten, aber auch Schilderungen von Ärzten, Sozialhelfern, Lehrern, Missionaren, Korrespondenten und Krankenschwestern aus Schweden, Dänemark und der Schweiz, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Türkei lebten. Das Doku-Drama „Aghet – ein Völkermord“ geht der Frage nach, welche Motive hinter der Ablehnung vieler Regierungen stehen, sich klar und deutlich zum Genozid an den Armeniern zu äußern. Warum sie eine Regierung, die sich ganz offiziell der Leugnung eines Weltverbrechens schuldig gemacht hat, nicht energisch in ihre Schranken weisen. In einer minimalistischen Inszenierung verleiht ein hochkarätiges Schauspielerensemble – darunter Hanns Zischler, Martina Gedeck, Burghart Klaußner und Friedrich von Thun – den vor langem verstorbenen Zeitzeugen aus den historischen Dokumenten eine Stimme. 95 Jahre nach dem Völkermord sind ihre Aussagen von beklemmender Authentizität noch einmal zu hören. In der Dokumentation „Die Grenze der Versöhnung – Das Kreuz der Armenier mit der Türkei“ geht es im Anschluss, um 0.00 Uhr, ebenfalls um den Völkermord an den Armeniern. (22:25-00:00 • 3sat)
Die Grenze der Versöhnung – Das Kreuz der Armenier mit der Türkei
Dokumentation (Gesellschaft – Gesellschaftliche Problematik/Soziale Brennpunkte) – Monothema – Film von Daniel Guthmann – (aus der ORF-Reihe „Kreuz & Quer“)
Nach jahrzehntelangem Konflikt wollten die Türkei und Armenien 2009 erstmals wieder diplomatische Beziehungen aufnehmen. Obwohl sich das geografisch isolierte Armenien von einer Grenzöffnung einen erheblichen wirtschaftlichen Aufschwung erwartet, ist die Annäherung an die Türkei auch innerhalb der armenischen Kirche ein umstrittenes Thema. Bis heute nämlich leugnet die Türkei ihre Verantwortung für den historisch verbürgten Völkermord an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs. Gerade aber Patriarch Vazgen I. und auch sein Nachfolger, der jetzige Katholikos Garegin II., haben sich für die Erinnerungskultur an den Völkermord eingesetzt. Doch gerade für die armenische Kirche ist die Grenzöffnung von großer Bedeutung – liegt doch deren heiliger Berg und Nationalsymbol der Armenier – der Berg Ararat – seit der Grenzziehung von 1921 auf türkischem Gebiet. Es stellt sich die Frage: Kann es ohne ein klares Schuldbekenntnis der Türkei überhaupt Schritte der Versöhnung geben? Der Film aus der Reihe „Kreuz & Quer“ berichtet über die schwierige Annäherung der beiden Nachbarländer Armenien und Türkei. (00:00-00:45 • 3sat)
Gesichter des Islam
„Männer und Frauen“ zeigt Musliminnen und Muslime und das Selbstverständnis der Geschlechter in Marokko, Deutschland und Saudi-Arabien.
In der Königsstadt Fes erleben wir eine traditionelle Hochzeit und die Ehe als nach wie vor verpflichtende islamische Lebensweise. Beim Jahrestreffen der Muslimischen Jugend Deutschland diskutieren junge Leute im hessischen Bad Orb Fragen von Beziehung und Religion.
In Fes erleben wir die junge Designerin Faouzia Anafi als Chefin von sechs Männern und als gehorsame Tochter, während unweit der 1000 Jahre alten Moschee die HipHopper der Gruppe F’assi – gläubige und in ihre Familien integrierte junge Leute – ihre Beats durch die Gassen schallen lassen. In einem Haus für ledige Mütter in Casablanca zeigt sich die harte Seite der Lebensrealität muslimischer Frauen. Zerah Yilmaz, Leiterin der Begegnungsstätte der neuen Moschee in Duisburg-Marxloh, verblüfft mit offenen Worten, während junge Männer und Frauen in Saudi-Arabien mit dem Segen des Königs in einen ersten Dialog treten. (01:20-01:50 • RBB Berlin, RBB Brandenburg) TV-Tipps
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@ Germany MA
Dieses Problem der „Ehre“ zieht sich durch fast alle Probleme, die die Türkei mit ihrer eigenen Gesellschaft, aber auch mit der westlichen Welt hat.
Frundlage sind zum einen die teilweise immer noch archaischen Gesellschafts- und Familienvorstellungen, eine Religion Islam, die eine wirkliche Trennung von Statt und Religion nicht kennt (der Laizismus in der Türkei ist eigentlich ein schlechter Witz, da der Islam über die Diyanet quasi Staatsreligion ist, Erdogan ist lt. Gesetz direkt weisungsberechtigt an die Diyanet),und einem parlamentarischen System, das durch Korruption und Vetternwirtschaft (ja, auch jetzt unter der AKP,nur mit anderen „Mitspielern)geprägt ist. Der Türke (die Masse,nicht alle !)ist obrigkeitshörig, er wünscht sich einen „starken Mann“ an der Spitze.
Und diese „Ehre“ ist auch mit Grund für viele Inkompatibilitäten bei der Integration in die deutsche Mehrheitsgesellschaft. Eine Anpassung an diese Gesellschaft darf nicht gefordert werden?
Dann lesen Sie einmal diesen Artikel hier bei MIGAZIN
Zurück in die Türkei?
Reintegrationskurse für hoch qualifizierte Rückkehrer!
Zitat
(Re)integrationsprobleme
Allerdings wird beim Rückwanderungsdiskurs ein wesentlicher Punkt übersehen: die (Re)integrationsprobleme der ausschließlich in Deutschland aufgewachsenen und folglich eher deutsch sozialisierten hoch qualifizierten Auswanderern in die türkische Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die sie lediglich aus periodisch-wiederkehrenden Urlaubsaufenthalten und Telefonaten sowie aus den Medien kennen und daher auf die in der Türkei herrschenden Zustände nicht ausreichend vorbereitet sind.
Zitat Ende
http://www.migazin.de/2011/01/11/reintegrationskurse-fur-hoch-qualifizierte-ruckkehrer/
In diesem Beitrag können Sie lesen, was und wie den „Rückwanderern in die Türkei“ geraten wird, um sich an „die anderen Eiganarten der Türkei“ anzupassen. Bitte lesen Sie diesen Beitrag.
Du triffst es genau auf den Punkt, GermanyMA.
Es ist wirklich blöd wenn man bei jedem Türken, bezüglich Völkermord an den Armeniern, bei NULL beginnen muss…
…sogar wenn sie am Vorabend eine sehr gute Doku zu diesem Thema gesehen haben, welche keine Fragen offen lässt.
Anscheinend sitzt die Angst, den gesammten Türkisch rechtsextremen Heldenmythos zu verlieren, sehr tief.
Die Türkische Identität muss doch weiter reichen als Kriegsverbrecher und Massenmörder zu verehren…???
@Leo Brux
„WARUM lässt die Türkei (als Staat) das nicht zu? “
Das macht die Türkei dank AKP seit Jahren doch bereits. Gehen Sie in die Türkei in einen Bücherladen und Sie werden nahezu jedes Buch zu diesem Thema finden, ob nun pro oder contra Genozid. In den Medien (Presse) wird heftig über die Geschehnisse in dieser Zeit debattiert.
Die Justiz (und nicht nur Die) ist/war von ultranationalistischen Kemalisten (mit Verbindungen zu ERGENEKON) unterwandert, denen sind auch die Anklagen gegen Hrant Dink oder Orhan Pamuk zu verdanken, die diese Debatte in der Vergangenheit leider unterdrückte.
http://www.faz.net/artikel/C31315/tuerkei-populaere-paranoia-30105071.html
http://www.tagesspiegel.de/meinung/die-tuerkei-land-der-gefangenen-journalisten/4247350.html
Dass, was den Genozidvorwurf für die Türken so Schmerzhaft macht, hat weder mit einem irrationalem Ehrbegriff zu tun, noch mit Leugnung der armenischen Massaker, es ist die eindimensionale, christlich-eurozentrische Betrachtung dieser sehr grausamen Zeit, weil die millionenfachen türkischen Opfer dieser Epoche massiv geleugnet und der Genozidvorwurf so hervorragend politisch gegen die Türken instrumentalisiert wird. Als ein Beispiel für diese Leugnung wären die, je nach Schätzung 1,2 bis 2,5 Mio muslimischen Opfer der Balkankriege 1912/13. Nahezu die gesamte muslimische Bevölkerung wurde dort systematisch ermordet oder vertrieben, Moscheen zerstört oder in Kirchen umgewandelt, das muslimische Leben auf dem Balkan vollständig vernichtet. Hier wurde nach UN-Definition ebenfalls ein Genozid verübt, nur leugnet man das in Europa.
Was die Türken auch noch zur Weißglut bringt ist die Tatsache, dass z. B. die Belagerten in Mus in dieser Geschichtsschreibung zu barbarischen Belagerern umgedeutet werden. Als die Stadt Van an die russischen und armenischen Belagerer im Frühjahr 1915 fiel, wurden innerhalb kürzester Zeit ca. 20 000 Muslime (türkische/kurdische Frauen und Kinder) massakriert, die russischen Offiziere waren entsetzt über die Grausamkeit der Armenier (zu lesen in den Depeschen in Moskau), diese Massaker vor der Umsiedlungsbefehl werden aber von den Pro-Völkermord Verfechtern wiederum systematisch geleugnet ja sogar umgedeutet.
http://www.swr.de/blog/tuerkei/2010/01/05/die-erinnerung-an-die-armenier-in-der-ostturkei/
„Unsere Dörfler haben Brot und Salz an den Dorfrand gebracht, das ist den Armeniern ebenso heilig wie uns, und sie haben den Armeniern gesagt: Wir sind doch Freunde, ihr habt uns doch euer Wort gegeben. Aber die sagten: Nein, mit der Freundschaft ist es jetzt vorbei.“
Gerade heute kam wieder eine Artikel über den „Armenier-Genozid“ und Johannes Lepsius,
http://www.tagesspiegel.de/wissen/ein-mann-gegen-den-voelkermord/4435084.html
dem bekanntermaßen christlichen Taliban, dem Türkenhasser (er sprach über Türken von „Ungeziefer“ und lobte die Armenier als „ältestes christliches Kulturvolk“), sozusagen dem Anders Behring Breivick seiner Zeit. Er gilt heute noch als Kronzeuge des „Armenier-Genozids“, obwohl seine damalige antitürkische/antimuslimische Propaganda und seine anderweitigen Pro-Armenier Fälschungen längst bekannt sind. Er belastete systematisch die türkische Seite und entlastete die armenische Seite. Als 1918 der Osmanische Kranke Mann endgültig fiel, kamen dann die Wahrheiten ans Tageslicht. Denn da ging es ja schon um die Verteilung der „Beute“ und Propaganda war nicht mehr nötig.
Sein Brief von 1918 des Vorstands der von Lepsius gegründeten Deutsch-Armenischen Gesellschaft an Reichskanzler Graf Georg von Hertling. Wortlaut: „Die Wünsche der Armenier gehen auf innere Autonomie, Selbstverwaltung der 6 armenischen (ostanatolischen) Provinzen (…) Wie bereits betont, sind die Provinzen jetzt von Mohammedanern größtenteils entleert; die Armenier (…) bilden jetzt auch in diesen Gegenden, wo es früher keine armenische Mehrheit gab, die Mehrzahl der Einwohner. Die Frage der Autonomie ist daher erheblich leichter lösbar als früher.“
http://www.welt.de/print-welt/article205335/Kunst_zwischen_vier_Fronten.html
Wie kann ein angeblich vertriebenes, massakriertes Volk in diesen Gegenden plötzlich die Bevölkerungsmehrheit stellen? Wo sind diese „Mohammedaner“ denn hin? Vieleicht so wie in Van im Tandir-Ofen gelandet? Fragen über Fragen
Oder der Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ von Franz Werfel. Das Buch entstand nach Erzählungen von armenischen Kämpfern, die sich nachweislich an türkischen Zivilisten vergangen hatten. Es handelt von dem bewaffneten Kampf der Armenier gegen die türkische Bevölkerung in Kilikien. Ca. 50 00 Tsd. armenische Soldaten von den Franzosen auf Zypern ausgebildet und mit franz. Uniformen und modernsten Waffen ausgestattet, fallen im Frühjahr 1915 in die Gebiete von Silifke bis Adana ein und begehen regelrechte Massaker an der muslimischen Bevölkerung. Nahezu alle muslimischen Männer waren ja eingezogen worden und kämpften an den Dardanellen oder im Osten, sie ließen ihre Frauen und Kinder in den Dörfern und Städten schutzlos zurück. Dagegen waren die armenischen Männer der armenischen Nachbarn nicht zum Kriegsdienst verpflichtet worden. Diese Männer überfielen mit den armenischen Truppen die türkischen Frauen und Kinder und führten eindeutig ethnische Säuberungen durch. Erst nach Wochen trafen türkische Truppen ein beendeten die Massaker. Einige flüchteten auf den Berg Musa und wurden von französichen Truppen nach Zypern gerettet. Diese Verbrecher erzählen IHRE Sicht im Roman von Franz Werfel, dagegen bleiben die türkischen Opfer geleugnet und stumm.
Eine weit verbreitete weitere grobe Geschichtsverfälschung ist das angebliche Hitler-Zitat „Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier?“. Von der Rede gibt es fünf! unterschiedliche Versionen [1], obwohl Hitler am 22.08.1939 auf dem Obersalzberg nur zwei Reden hielt. Spätestens nach der Historiker-Kommission in Frankreich im Jahre 1998! wurde das Hitler-Zitat endgültig ad acta gelegt [2]. Es wird seitdem auf seriöser armenischer Seite nicht mehr zitiert. Heute wird es aber gerne seitens rechter Kreise aufgegriffen, um den jüdischen Holocaust zu relativieren oder bewusst antitürkische Agitation zu betreiben. Es wundert mich daher nicht im geringsten, dass dieses nachweislich erfundene Zitat in „seriösen“ Dokus wie Aghet oder im Lepsius-Haus zu sehen ist.
[1]Gust, W., Der Völkermord an den Armeniern, Die Tragödie des ältesten Christenvolkes der Welt, München/Wien 1993, S. 364
[2]Historiker-Kommission in Frankreich, Buch dazu: L’Actualité Du Génocide Des Arméniens. Actes Du Colloque Organisé Par Le Comité De Défense De La Cause Arménienne à Paris-Sorbonne Les 16, 17 Et 18 Avril 1998., Paris 1999
Kapitel von Ternon, I., A propos des documents Andonian et de la petite phrase d’Hitler
@Akira
„Aghet“ wurde von der seriösen Wissenschaft ganz klar als Propaganda-Filmschen klassifiziert und landete ganz schnell im Mülleimer der Geschichte. Für den NDR anscheinend nicht relevant genug.
Wer nun „Aghet“ dennoch als Grundlage für eine Genozid-Debatte/Diskussion heranzieht, ist daher selber schuld wenn er/sie nicht ernst genommen wird.
Dieses Filmschen weist so viele historische Fehler und Manipulationen auf, dass mir vor soviel Unverfrorenheit und Dreistigkeit regelrecht übel wird.
Hallo Neo,
beleidigt?
Ausreden werden gesucht, zu Relativieren wird versucht, und wenn das nicht hilft ist das ganze eine Weltverschwörung gegen die Türkei.
Angst die Türkische Identität in Frage zu stellen?
Anscheinend können Türken nicht verstehen was es für ein Volk bedeutet wenn es Vertrieben und Abgeschlachtet wird, und dieses ist Fakt.
Es sind nicht die Türken welche nicht mehr dort leben, es sind die Armenier.
Und alleine dieses ist schon Hinweis genug!
Aber ein stolzer Türke braucht ja Beweise, aber diese Beweise müssen natürlich von der Türkischen Regierung genehmigt sein,….
…denn alle anderen sind eine Weltverschwörung gegen die Türkei.
Viel Spaß noch mit deinen türkisch rechtextremen Helden.
@akira,
Ihnen kann man auch wirklich nichts recht machen.
Wenn ich mir die aktuelle Situation am BergKarabach anschaue dann sind die Armenier ebenfalls kein friedliches Volk, dass nicht auf zusammenleben und miteinander sondern auf Krieg, ethnische Säuberung sowie Massaker aufbauen.
Nein, die Armenier sind heute nicht unschuldig und waren es 1915 ebenfalls nicht. Dennoch rechtfertigt dieses nicht die Todesmärsche sowie Vertreibung aus der heutigen Westtürkei.
Ich habe hier ansatzweise und bedacht versucht auf die innenpolitische Situation aufmerksam zu machen, in der sich das Osmanische Reich damals befand.
Die sitauation der Armenier muss analysiert und aufgearbeitet werden, aber was ist eigentlich mit den Mohammedanern.
Ironischerweise interessiert sich niemand für diese Menschen, die durch Armenieren selbst ermordert worden sind. Ist das Leid dieser Menschen im Vergleich zu den Armenieren weniger wert, weniger qualvoll, weniger bedeutend?
Ich behaupte, dass die Öffentlichkeit überhaupt nicht weiß, dass zigtausende Menschen durch Armeniere ermordert und vertrieben worden sind.
Entschuldigt aber, die eigene Schei**e stinkt zuletzt. Das musste hier gesagt werden.
1. Absatz
->Themenverfehlung
2. Absatz
-> „wer ohne sünde sei werfe den ersten Stein“
3. Absatz
-> du wiedersprichst Absatz 2 (du rechtfertigst & relativierst)
Wie bitte sollte die Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern, durch die Türkei, der Aufarbeitung der Türkischen Opfer im Weg stehen? Ich finde es eher förderlich! Denn dann würde die Türkische Seite vielleicht mal ernst genommen werden.
Aber da steht sich leider die Türkische „Unfehlbarkeit“ selber im Weg…
akira,
ich finde, neo hat mir eine ziemlich gute, eine argumentativ sehr gute Antwort gegeben, und ich muss zugeben, dass sie mich so nachdenklich gemacht hat, dass ich mir erst einmal vorgenommen habe, über die Sache mal noch mehr zu lesen, bevor ich mich weiter in der Debatte äußern möchte.
Bei Ihnen, akira, bemerkt man NUR das Interesse, für die Armenier zu sprechen. ICH hingegen bin in solchen Fragen zunächst einmal einfach nur an der Wahrheit interessiert, nicht an den Türken oder an den Armeniern. Das Leiden BEIDER Seiten in der Zeit des Krieges ist ja offenbar und eines der Motive, warum mich die Frage überhaupt beschäftigt, sagt aber nichts über die Wahrheitsfrage.
Von der „türkischen“ Seite hört man so gut wie nie, dass man das unsägliche Leid, das den Armeniern widerfahren ist, wahrnimmt. Von der armenischen Seite hört man so gut wie nie, was man als Leid den Türken zugefügt hat. Beide Seiten beschießen sich nur aus ihrem jeweiligen Graben.
Ich aber sitze nicht im Graben. Wer nur aus dem Graben heraus schießt, hat bei mir keine Chance.
Neo hat das kapiert und darum Wirkung bei mir erzielt.
Wie viel, das wird sich zeigen.
Es geht hier ja auch um den Völkermord an den Armeniern, welcher hier in Frage gestellt wird.
Nicht um den 1.WK…
…denn weder der 1.WK noch irgendetwas anderes können dieses rechtfertigen…
Warum und wieso es so weit gekommen ist muss und soll natürlich hinterfragt und untersucht werden, aber dieses ändert nichts an diesem Faktum, wie es die meisten nationalistischen Türken gerne hätten.
Selbstkorrektur:
„Was die Türken auch noch zur Weißglut bringt ist die Tatsache, dass z. B. die Belagerten in Mus…“
muss heißen: in Van
@akira
Ich bin weder nationalistisch noch ähnliches. Ich bin aber an der Wahrheit interessiert.
Es gab zu der Zeit nun mal Ausrottung und eine komplette Ostverschiebung der Muslime in Europa. Im Osten drängten die Russen und Armenier gen Westen, mit ebenfalls schlimmen ethnischen Säuberungen an der muslimischer Bevölkerung, daneben war Srebrenica regelrecht ein Kindergeburtstag. Am Ende wurden die Russen und Armenier dann doch nach Osten abgedrängt und vertrieben. Nicht zu vergessen ist der Angriffskrieg der Griechen gen Anatolien mit ebenfalls ethnischen Säuberungen, mit dem zurückdrängen der Griechen endete leider die Zeit der Griechen in der Westtürkei.
Das ist die grausame Tragödie jener Zeit, die von Ultranationalismus und Nationenbildung auf allen Seiten geprägt wurde. Hier einseitig die Türken zu beschuldigen ist entweder selber nationalistichen Gefühlen geschuldet oder ein Versuch die Geschichte für politische Zwecke zu missbrauchen.
Wussten Sie, dass die Hauptstadt von Armenien Eriwan zu jener Zeit mehrheitlich von Muslimen bewohnt war und heute Armenien dagegen zu fast 99 % ethnisch und religiös armenisch-christlich ist. Das öffentliche Ämter nur von ethnischen Armeniern besetzt weden dürfen?