
Beauftragte legt Bericht vor
Akten im Schredder, Probleme auf dem Tisch: Rassismus bei der Feuerwehr
Rassistische Chats: Mehr als vier Jahre nach dem Skandal bei der Bremer Feuerwehr legt ein Bericht problematische Strukturen offen – und zeigt, wie groß der Handlungsbedarf ist. Aktenvernichtungen verhindern vollständige Aufarbeitung.
Mittwoch, 02.04.2025, 11:29 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 02.04.2025, 11:29 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Die Bremer Feuerwehrbeauftragte Sermin Riedel möchte eine neue Meldekultur bei der Feuerwehr etablieren. Hintergrund sind massive Vorwürfe gegen die Bremer Feuerwehr, die 2020 ans Licht kamen. Ein Beamter hatte rassistische und rechtsextremistische Nachrichten in Chats verbreitet. Außerdem sollen sich mehrere Feuerwehrmänner frauenfeindlich und sexistisch gegenüber einer Kollegin verhalten haben.
Wie aus dem Bericht hervorgeht, stellte sich im Rahmen der Untersuchungen heraus, dass auch weitere Mitglieder der Chatgruppe solche Inhalte teilten oder zustimmend markierten. „Gegen diese Personen wurden jedoch keine disziplinarischen Maßnahmen eingeleitet“, heißt es in diesem Bericht. Eine nähere Aufklärung, ob und warum keine weiteren Schritte ergriffen wurden, sei für die Beauftragte nicht mehr möglich gewesen, da die entsprechenden Untersuchungsunterlagen laut Bericht „zum Zeitpunkt ihrer Befassung vernichtet waren.“
Beauftragte fordert Verantwortlichkeiten
Riedel sagte bei der Vorstellung ihres ersten Tätigkeitsberichts für die Jahre 2022 und 2023: „Es müssen Verantwortlichkeiten klargestellt werden: Also wer muss eigentlich wann, warum, was melden und wem muss eigentlich wann, was, warum auffallen.“
Mehrere Strafverfahren, Untersuchungen und Gespräche machten erst das Ausmaß der Fälle deutlich. „Die haben auch noch mal einige andere Dinge in der Feuerwehr Bremen zutage gefördert, wie diskriminierende Sprache oder problematische Aufnahmerituale“, berichtete Riedel. Die Feuerwehrbeauftragte will nun Vertrauen aufbauen, Rollen klären, die Kommunikation stärken und ein angstfreies Klima schaffen.
Antidiskriminierende Schulungen und Anlaufstellen
Die Feuerwehr bemüht sich, ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen und die Strukturen zu ändern. Es seien Schulungen für alle Mitarbeitenden geplant, sagte Riedel. Außerdem gebe es inzwischen einen eigenen Referenten für Diversität und Antidiskriminierung.
Neben der Aufarbeitung des Skandals nimmt die Feuerwehrbeauftragte Beschwerden von Bürgerinnen und Bürgern entgegen. Auch Mitarbeiter können sich an sie wenden, wenn sie übergriffiges Verhalten erleben oder Probleme mit Führungskräften haben. In den ersten beiden Jahren nahmen 46 Mitglieder der Feuerwehr das Angebot wahr.
Im April vergangenen Jahres wurde wegen des Verdachts einer rassistischen Einstellung Disziplinarverfahren gegen einen verbeamteten Feuerwehrmann eingeleitet. Er soll sich bei einem Verkehrsunfall gegenüber beteiligten Personen fremdenfeindlich geäußert haben. (dpa/mig) Aktuell Panorama
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